Notgroschen ist eines dieser Wörter, das in jedem Finanz-Artikel vorkommt und gleichzeitig nie ehrlich beziffert wird. Drei Monatsgehälter sagen die einen, sechs sagen die anderen, manche sagen „so viel wie möglich“. Für eine Familie mit zwei Kindern, knappem Budget und der Frage „woher nehme ich das“ reicht das nicht. Hier kommt die ehrliche Rechnung mit Stand der Empfehlungen Mai 2026.
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Was die Verbraucherzentrale empfiehlt
Die Verbraucherzentrale empfiehlt zwei bis drei Netto-Monatsgehälter als Notgroschen. Bei einem Familien-Nettoeinkommen von 3.000 € sind das 6.000 € bis 9.000 €. Das ist die Mindestgröße, an der sich Singles und kleine Haushalte orientieren können.
Für Familien mit Kindern gilt ein höherer Wert. Mehrere Quellen nennen sechs Netto-Monatsgehälter als sinnvolle Größenordnung, weil mehr Personen abgesichert werden müssen und mehr Sachen kaputtgehen können (Auto, Waschmaschine, Trockner, Heizung).
Was Familien wirklich brauchen
Sechs Monatsgehälter klingen für viele Familien wie eine Wand. Eine Familie mit 3.000 € netto bräuchte 18.000 € auf einem Tagesgeldkonto. Wer die Zahl hört, blockt direkt ab. Das ist verständlich, aber falsch gedacht. Hier ist die ehrliche Stufenrechnung, die in den meisten Familien funktioniert:
- Stufe 1, 1.000 € Notgroschen: Reicht für eine Autoreparatur, einen kaputten Kühlschrank, eine Anzahlung. Damit überlebst du den ersten echten Schock, ohne den Dispo zu sprengen. Dieses Polster ist der wichtigste Schritt überhaupt.
- Stufe 2, 1 Monatsgehalt (rund 3.000 €): Damit überstehst du eine Lohnausfall-Woche, eine größere Reparatur, eine Krankenhaus-Zuzahlung. Solides Familien-Polster.
- Stufe 3, 3 Monatsgehälter: Damit hältst du die Familie auch dann am Laufen, wenn ein Elternteil drei Monate nicht arbeitet. Die ehrliche Untergrenze für Familien mit zwei Kindern.
- Stufe 4, 6 Monatsgehälter: Damit hast du echte Freiheit. Die Empfehlung der Verbraucherzentrale für Familien.
Wichtig: Stufe 1 ist die wichtigste. Wer 1.000 € auf einem separaten Tagesgeldkonto hat, ist schon in einer ganz anderen Lage als jemand mit 0 €. Stufe 2 bis 4 baust du Schritt für Schritt auf, oft über Jahre.
Wie ich Stufe 1 in 90 Tagen aufgebaut habe
1.000 € in 90 Tagen sind 11,11 € pro Tag. Klingt nach viel, ist aber durch zwei einfache Hebel machbar:
- Ein No-Spend-Monat im ersten Monat (typisch 400 € bis 600 € Ersparnis)
- Ausmisten und Verkauf in den nächsten beiden Monaten (Familien finden im Schnitt 200 € bis 500 € im Keller, das per Kleinanzeigen verkauft wird)
Das ergibt zusammen oft 700 € bis 1.100 €. Plus eine Spar-Challenge wie die 52-Wochen-Variante mit niedrigerer Stufe parallel laufen lassen. Und plötzlich sind die 1.000 € da.
Wo der Notgroschen liegen sollte
Auf einem Tagesgeldkonto, zum Beispiel bei der DKB*, getrennt vom Girokonto und idealerweise bei einer anderen Bank. Das hat zwei Gründe: Du siehst es nicht jeden Tag, also fass du es nicht an. Und du bekommst Zinsen. Stand Mai 2026 zahlen gute Tagesgeld-Konten zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Bei 3.000 € Notgroschen sind das 45 € bis 75 € Zinsen pro Jahr, ohne dass du was machst.
Ein aktueller Tagesgeld-Vergleich über ein unabhängiges Vergleichsportal hilft, die Bank mit dem besten Zins zu finden. Wichtig: Einlagensicherung der EU prüfen, mindestens 100.000 € pro Person.
Was nicht zum Notgroschen gehört
- Aktien oder ETFs. Im Krisenfall sind Aktien oft am tiefsten. Wer dann verkaufen muss, verliert.
- Bausparvertrag. Geld ist nicht kurzfristig verfügbar.
- Bargeld unterm Bett. Bei Wohnungseinbruch weg, kein Zins, kein Schutz.
- Festgeld. Geld ist gebunden, im Notfall nicht erreichbar.
Notgroschen heißt sofort verfügbar. Tagesgeld ist die einzige saubere Form.
Was du diese Woche konkret tun kannst
Geh heute Abend dein letztes Kontoauszug-Monat durch und schreib die monatlichen Fixkosten plus Lebensmittel grob auf einen Zettel. Multipliziere die Summe mit drei (das ist dein erstes Notgroschen-Ziel) und mit sechs (das ist das volle Familien-Ziel). Eröffne, wenn du noch keins hast, ein kostenloses Tagesgeldkonto bei einer Direktbank deiner Wahl, getrennt vom Girokonto. Mehr braucht der Start nicht. Selbst der erste 50-Euro-Dauerauftrag bringt dich nach einem Jahr auf 600 Euro Reserve.
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Stand: Mai 2026. Tagesgeld-Konditionen ändern sich monatlich, vor Eröffnung aktuell vergleichen.


